Social Communities im Print

“Fremde Freunde – Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen”. So lautet der Titel des aktuellen SPIEGEL. Die dazugehörige Story ködert mit “Nackt unter Freunden”. Klingt wie BILD und ließt sich dann auch so. Thomas Knüwer hat hier im Wesentlichen alles zusammengefasst, was am SPIEGEL- Artikel so unerträglich ist. Flach recherchiert, vereinfachte Darstellung der Sachverhalte und wer ein wenig mit dem Thema vertraut ist, erfährt hier nichts Neues. Erschreckend war für mich zudem, dass der eigentlich dem Internet sehr zugewandte SPIEGEL, zumindest was die eigene Online-Präsenz angeht, sich inzwischen so liest, als hätte ein Haufen erzkonservativer Sittenwächter das Blatt besetzt.
Über Online im Print zu schreiben, geht aber auch anders: In der März-Ausgabe der DE:BUG findet sich unter der Rubrik “Ich im Netz” der Artikel “Das Ende zweier Welten” von Sasha Kösch. Dieser beschreibt darin, dass mit dem Wechsel der Mitglieder von MySpace zu Facebook nicht einfach nur ein Wechsel von Portal zu Portal stattfindet, sondern dass hiermit ebenfalls eine Veränderung der eigenen und äußeren Wahrnehmung der User, nicht nur in sozialen Netzen, sondern im Internet an sich einhergeht. Die eigene Identität wird im Internet nicht länger getarnt, sondern offen heraus getragen. Dieser Wechsel im Umgang mit der Netzidentität wird laut Kösch zum einen beflügelt durch verbesserte Technik, die die Identifikation erst ermöglicht, zum anderen durch den zunehmenden Wunsch der User und vor allem der Betreiber, zu wissen mit wem man es denn eigentlich zu tun hat im Datenstrom. Zum Kiosk gehen, kaufen – lesen! (Oder einen Monat warten und dann hier herunterladen…)
Der Artikel in der DE:BUG ist wahrscheinlich die Art von Artikel, wie ihn sich Thomas Knüwer und viele andere gewünscht hätten, aber wenn man als SPIEGEL acht Journalisten hat, die sich langweilen, dann bekommt man eben den oben beschriebenen kalten Kaffee.










